Mietminderung bei Schimmel

Feuchtigkeit in der Wohnung ist ganz normal. Duschen, Kochen, Waschen und Wäschetrocknen – es entsteht Wasserdampf. Selbst Atmung produziert Feuchtigkeitsmengen! Diese können sich als Stockflecken oder Schimmel zu erkennen geben. Daher stellt sich für die Mieter die Frage: Habe ich Anspruch auf Mietminderung bei Schimmel?

 

Ist Schimmel ein Mangel?

Jein. Eine Mietminderung bei Schimmel ist dann gerechtfertigt, wenn er auf einem Mangel beruht. Schimmel selbst kann also die Folge eines Mangels sein. Daher stellt sich die Frage nach der Ursache für den Schimmel. Und wer dafür verantwortlich ist. Der Vermieter ist verantwortlich, wenn der Bauzustand die Bildung von Schimmel befördert. Denn dann hat die Mietsache nach § 536 BGB von Beginn an einen Mangel und eine Mietminderung bei Schimmel ist gerechtfertigt.

 

Wieviel Mietminderung bei Schimmel?

Die Gerichte sind ähnlich wie beim Asbest sehr unterschiedlich in der Beurteilung der Minderungshöhe. Allerdings lässt sich in der Tendenz eine erfreuliche Strenge feststellen. Zweistellige Mietminderungshöhen sind je nach Umfang der Schimmelbildung nicht unüblich; vgl. auch einen Fall des Landgerichts Hamburg. Auch 100 % sind für Mietminderung bei Schimmel anerkannt worden.

Zu recht! In dem zuletzt verlinkten Fall des Landgerichts Berlin erkrankten die Mieterin und die Tochter wegen des Schimmels erheblich. Interessant an dem Fall ist übrigens ein Detail: Die Schimmelbildung erfolgte nur in einem Zimmer. Daher kommt es für die Höhe der Mietminderung nicht darauf an, ob die Schimmelquellen überall in der Wohnung sind.

 

Problem: Wer ist schuld?

Vermieter versuchen, eine berechtigte Mietminderung bei Schimmel mit folgendem Hinweis zu vereiteln: Der Mieter hat fehlerhaft gelüftet und nicht ordnungsgemäß geheizt. Wer trägt hier die sogenannte Beweislast?

Zunächst muss der Vermieter nach der sogenannten Gefahrkreistheorie beweisen, dass die Ursache des Schimmels nicht in der Bausubstanz liegt. Erst dann ist der Mieter in der Beweispflicht dafür, dass er ordentlich gelüftet und geheizt hat. Aber auch hier gibt es Besonderheiten.

Denn unter Umständen muss der Vermieter den Mieter auf das ordentliche Lüften und Heizen hinweisen. Zu häufiges Lüften kann auch unzumutbar sein, wie das Landgericht Konstanz entschied. Daher kann das Lüften bei einem berufstätigen Mieter nicht mehr als drei Mal täglich verlangt werden. Auch muss der Mieter seine Möbel grundsätzlich an die Wand stellen dürfen.

Kann er dies nicht oder muss unzumutbar gelüftet werden, ist wohl der Vermieter für die Ursache verantwortlich und eine Mietminderung bei Schimmel gerechtfertigt.

2017-08-12T13:54:16+00:00